Der Weg zur Bioenergiegemeinde

Donnerstag, 12. März 2009

Ausgangslage

Weltweit wird ein erheblicher Teil der Energie in einer Weise erzeugt und verbraucht, die auf Dauer nicht tragfähig ist. Problematisch bei der Nutzung der fossilen Energieträger Kohle, Erdöl und Erdgas sind vor allem zwei Dinge:

  • Pro Jahr wird hiervon die Menge verbraucht, die sich in mehreren Millionen Jahren gebildet und in Lagerstätten angereichert hat. Dies hat zur Folge, dass die begrenzten Ressourcen in wenigen Generationen erschöpft sein werden.
  • Bei der energetischen Nutzung wird das in den fossilen Energieträgern gebundene Treibhausgas Kohlendioxid kurzfristig in die Atmosphäre freigesetzt und verändert das Klima Schätzungen der Bundesanstalt für Geo-Wissenschaften und Rohstoffe gehen davon aus, dass bei gleichbleibendem Energiebedarf Uran in 30 Jahren, Erdöl in ca.43 Jahren, Erdgas in ca. 60 Jahren und Kohle in ca. 196 Jahren verbraucht sein werden. Allerdings steigt der Energiebedarf weltweit stetig an Somit werden die Rohstoffe für unsere bisherige Energieversorgung in absehbarer Zeit aufgebraucht sein.

Eine Umstellung der Energieversorgung auf eine weitgehende Nutzung regionaler, regenerativer Energien mildern diese Probleme nicht nur, sondern eröffnet auch neue Chancen für den ländlichen Raum. In Verbindung mit der Einsparung von Energie kann durch die Nutzung von Sonne, Biomasse Wind und Wasserkraft genug Energie bereitgestellt werden, um eine Abkehr von fossilen Energieträgern sicherzustellen.
 
Die energetische Nutzung von Biomasse bildet dabei einen zentralen Ansatzpunkt. Biomasse gilt als weitgehend CO2 neutraler Rohstoff, da sie in der Wachstumsphase genau soviel CO2 speichert, wie sie bei der energetischen Verwertung wieder an die Atmosphäre abgibt.

Zudem leistet die Nutzung von lokalen Rohstoffe einen wesentlichen Beitrag zur regionale Wertschöpfung. Mit den im Markt Mühlhausen vorhandenen land- und forstwirtschaftlichen Flächen, bestehen vor Ort gute Voraussetzung für eine regenerative und nachhaltige, lokale Energieversorgung.

Allein im Markt Mühlhausen werden jährlich 51 Millionen kWh Energie für Heizung, Strom und Treibstoff benötigt. Dies entspricht Ausgaben in Höhe von rund 6 Millionen €, die größtenteils die Region verlassen und als Investitionsmittel in der Region nicht mehr zur Verfügung stehen.

Bei der Umstellung der Wärmeversorgung auf heimische Rohstoffe kann ein Teil des Geldes in der Region gehalten werden und hier zum Erhalt und zur Schaffung von Arbeitsplätzen beitragen. Idee und Konzept

Das Projekt „Bioenergie Mühlhausen“ verfolgt das Ziel, einen möglichst großen Teil der im Ort benötigten Warme für Heizung und Brauchwasser auf der Basis erneuerbarer Energien bereitzustellen.

Hauptaugenmerk liegt dabei auf der energetischen Nutzung von vor Ort anfallender Biomasse.

 

Zentrale Wärmeerzeugung

Die Biomasse wird in einer zentralen Anlage in Wärme, wenn die Bedingungen vor Ort es zulassen zusätzlich in Strom umgewandelt.
Wärmeverteilung

Die Verlegung von Nahwärmenetzen ist notwendig, um das erzeugte Warmwasser an jeden Haushalt zu verteilen. Für den angeschlossenen Nutzer ist das Nahwärmenetz die komfortabelsten Versorgungsmöglichkeiten mit Wärme:

  • Die Haushalte benötigen keinen eigenen Heizkessel mehr und auch kein Rohstofflager, wodurch zwei Räume im Haus für andere Zwecke genutzt werden können.
  • Auch fallen keine Kosten für eine Heizungswartung und für den Kaminkehrer mehr an, die jährliche Rohstoffbeschaffung für die einzelnen Haushalte entfällt.
  • Für Hausbesitzer mit eigenem Wald besteht eventuell die Möglichkeit Holz an die örtliche Betreibergesellschaft zu Verkaufen.
  • Zudem ist diese Versorgungsform unabhängig von Öl- oder Gaspreisschwankungen und sichert die nachhaltige Nutzung heimischer Rohstoffe.

Die Verlegung eines Nahwärmenetzes ist aber ökologisch und ökonomisch nur sinnvoll, wenn sich ausreichend viele Haushalte anschließen Es reicht nicht aus, wenn nur 10 oder 20 % der Haushalte mitmachen. Die Investition in eine zentrale Wärmeversorgung mit Nahwärmenetz rentiert sich nur dann, wenn sich der Überwiegende Anteil der Bevölkerung vor Ort für einen Anschluss entschließt. Vorteil der Großanlage gegenüber der Versorgung des Ortes mit vielen einzelnen Holzheizungen ist nicht nur die weitaus effizientere Nutzung des Brennstoffs, sondern auch die bezahlbare Schadstoffminimierung durch den Einsatz von effektiven Filteranlagen.

Zum anderen ist das Wärmenetz unabhängig vom eingesetzten Brennstoff zu betreiben. Gibt es in späteren Jahren andere, bessere Alternativen zur Biomasseheizung, kann der Kessel ausgetauscht werden und alle am Wärmenetz angeschlossenen Anwesen profitieren vom neuen Energieträger.

Bürgerbeteiligung Ein weiteres Ziel ist es, die Bioenergieanlagen in Eigenregie gemeinsam mit allen Wärmekunden im Ort zu betreiben. Durch die Gründung einer eigenen Betreibergesellschaft unter möglicher Beteiligung der Wärmekunden wird ein langfristig günstiger Heizpreis sichergestellt.

Zweck der Gesellschaft ist es, eine möglichst günstige Wärmeversorgung vor Ort für alle Mitglieder anzubieten. Als Mitglied der örtlichen Betreibergesellschaft erhalten alle Wärmekunden die Möglichkeit, auf die künftige Preisgestaltung Einfluss zu nehmen.

– die ökonomischen Gegebenheiten für eine Nahwärmeversorgung auf Basis nachwachsender Rohstoffe im Markt Mühlhausen festzustellen.

Das ganze Projekt wird nur zum Tragen kommen, wenn die Wärmeversorgung über ein zentrales Heizwerk günstiger ist, als eine vergleichbare Öl- oder Gaszentralheizung.

Wenn Sie Fragen zu dem Projekt haben, können Sie sich gerne an Klaus Faatz, Gerhard Kreß, Harald Scheidig, Astrid Kirchner, Ralf Geyer oder Daniel Kammerer (VG) wenden.