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„Teichwirtschaft ist in Gefahr“
Mittwoch, 3. Februar 2010

Kormoran - Die Teichwirte im Aischgrund möchten nach alter Tradition rentabel produzieren. Der Vogel des Jahres 2010 macht ihnen das fast unmöglich. Immer mehr wollen aufgeben.

Höchstadt - Die Wahl des Kormorans zum Vogel des Jahres 2010 verstärkt bei den Teichgenossen im Aischgrund den Ärger darüber, wie manche Verbände und Organisationen diesen Vogel hofieren.

Wie Walter Jakob, Vorsitzender der Teichgenossenschaft Aischgrund, in einer Presseerklärung mitteilt, streiten der Landesbund für Vogelschutz und sein Partnerverband NABU die durch den Kormoran verursachten Schäden in Teichwirtschaften nicht ab. Sie können jedoch auch keine wirklichen Alternativen zu den von
ihnen kritisierten Vergrämungsabschüssen vorweisen.


Teichgenossenschafts-Vorsitzender Walter Jakob aus Mühlhausen zeigt einen vom Kormoran gezeichneten Karpfen der Größe K2. Nicht selten fallen in einem Weiher 70 bis 90 Prozent der Fische dieser Größe dem Vogel des Jahres 2010 zum Opfer. Gudrun Westphal (Archiv)

Ein bundesweites Problem

Dass auch Kormorane eine Vorliebe für Karpfen haben, erfahren nicht nur die Teichwirte im Aischgrund Jahr für Jahr. Die vom Vogel des Jahres 2010 angerichteten Schäden sind bundesweit inzwischen so groß, dass eine normale Satzfischproduktion in Teichen seit Jahren nicht mehr realisierbar ist.

Im zweiten Aufzuchtjahr haben die Karpfen die ideale Größe für den Kormoran, so dass am Jahresende allein in dieser Altersklasse nur noch 10 bis 30 Prozent der im Frühjahr ausgesetzten Fische abgefischt werden können. Abgesehen von den so entstehenden finanziellen Verlusten seien die Teichwirte laut Walter Jakob zum Zukauf von Satzfischen aus anderen Betrieben, zum Teil sogar zum Import aus Nachbarstaaten gezwungen. Dieser Zustand ist für den Teichgenossenschaftsvorsitzenden nicht hinnehmbar.

Die vom Landesbund für Vogelschutz (LBV) und NABU propagierten Möglichkeiten, Satzfischteiche vor dem Kormoran zu schützen – mit weitmaschigen Drahtüberspannungen, mit denen die Kormorane am Landen und Starten gehindert werden, oder mit akustischen Vergrämungsgeräten, mit der angeblich die Kommunikation im Kormoranschwarm gestört wird –, halten die Teichwirte für völlig ungeeignet.

Die Teichwirte im Aischgrund suchen nach Möglichkeiten, um hier nach alter Tradition rentabel zu produzieren. Von dieser Rentabilität hängt für Walter Jakob auch der Fortbestand der Teichlandschaften ab, die unsere Region prägen. Bedingung für eine weitere Bewirtschaftung ist ein positives Betriebsergebnis am Jahresende. Davon sind nicht nur die Teichwirte im Aischgrund durch die Kormoranschäden weit entfernt. Inzwischen wollen mehr und mehr Teichwirte ihre Weiher aufgeben und anderweitig nutzen.

Verlust für den Naturschutz

Weil sich im Kielwasser der traditionellen Teichbewirtschaftung zahlreiche bedrohte Tier- und Pflanzenarten an, auf und in den Teichen tummeln, hat auch der Naturschutz ein ureigenes Interesse daran, die Teichwirtschaft zu erhalten, weiß Walter Jakob. Zahlreiche Teiche sind als FFH-Gebiete in das Schutzgebietssystem Natura 2000 eingegliedert. Die Einstellung der Teichbewirtschaftung wäre somit auch für den Naturschutz ein herber Verlust.

Das zeigte sich spätestens 2007, als die Tretzendorfer Weiher bei Bamberg aufgelassen wurden. Auch dem dortigen Bewirtschafter waren Vergrämungsabschüsse von Kormoranen nicht genehmigt worden. Seit 2009 wird die Teichanlage nun mit erheblichem Aufwand wieder auf Vordermann gebracht, wofür auch Steuergelder nötig sind. Ein neuer Bewirtschafter fand sich erst, als der Naturschutz sich bereit erklärte, Vergrämungsabschüsse von Kormoranen zuzulassen.

„Wenn es nicht gelingt, die stetig wachsende Kormoranpopulation und die ebenfalls zunehmenden fischereiwirtschaftlichen Schäden unter Kontrolle zu bringen, haben wir im Aischgrund bald viele Tretzendorfer Weiher“, befürchtet Walter Jakob.

Die Teichgenossenschaft Aischgrund wäre gerne bereit, auch nach weiteren Alternativen zu den Vergrämungsabschüssen zu suchen. Vom LBV erwarten die Teichwirte Unterstützung. In Zeiten knapper Kassen nütze es nichts, wenn der LBV den Steuerzahler für die vom Vogel des Jahres 2010 angerichteten Schäden zu Kasse bitten will.

Aufzucht muss sich wieder lohnen

Das werde nicht funktionieren, weil es sich nicht vermitteln lasse, ist sich Jakob sicher. Es müsse stattdessen darum gehen, die Schäden an sich deutlich zu verringern. Die Aufzucht von Karpfen in unseren Weihern müsse sich wieder lohnen.

Quelle: www.infranken.de
von pr